Wollgestrick im Sonnen-Herbst

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Momentan scheint hier der Winter mit Kälte und Schnee wieder in ganz weite Ferne gerückt zu sein.

Es ist ein wahrer Genuß, draußen in der Sonne zu sitzen, die bunt verfärbten Bäume zu sehen, rote Hagebutten, Herbstblumen. Selbst die verblühten und vertrockneten Gräser und Blumen sehen im schrägen Herbstlicht bizarr und filigran aus.

Und so kommt mir der dicke Schulterwärmer (Taproot-Cowl), den ich gerade zu Ende gestrickt habe, momentan irgendwie fehl am Platz vor. Es war ein erfreulich schnelles kleines Zwischenprojekt, das ich aus DROPS-Nepal aus meinem Vorrat gestrickt habe. Leider habe ich nun erst die Fehler-Korrektur auf Ravelry gelesen (ich habe die Anleitung direkt aus der neuesten Taproot-Ausgabe benutzt) und so ist er wohl nun nicht ganz so umfangreich am unteren Ende, wie es beabsichtigt war. Irgendwie ärgerlich, aber deswegen werde ich ihn nicht noch einmal auftrennen….

Auch dieses zarte blonde Puppenwesen, das man weiter oben sehen kann (nun mit fertig eingehäkelten Haaren), bekommt ein richtig warmes Wollkleid aus Alpaca-Wolle ( siehe auch weiter oben) in einem sehr schönen melierten Grünton. Ich stricke für sie das Isborg-Kleid nach einer Anleitung von Winterludes. Ich habe inzwischen einige Strickmuster von Winterludes verwendet (diese JackeMütze und diesen Schulterwärmer) und sie sind ganz nach meinem Geschmack: Romatisch, verspielt….und doch auch meist nicht ganz unaufwändig zu stricken. So beschäftigt mich dieses Kleidchen schon eine ganze Weile, aber es lohnt sich.

Wenn nun beide Zwischenprojekte beendet sind, wartet mein Ujo-Kleid (hier schon einmal kurz vorgestellt) auf mich. Allerdings habe ich Herrn Wollwesen einen Winterpullover versprochen, der ebenfalls in Angriff genommen werden sollte…zu viele Baustellen! ? Niemals!

Ich geh` dann mal wieder ein bisschen Herbst-Sonne tanken,

am besten mit Strickzeug natürlich,

möge sie auch für Euch scheinen,

wünscht

Eure

Frau Wollwesen.

 

Verlinkt mit Creadienstag und Auf den Nadeln im Oktober.

 

 

 

Rituale

 

 

 

 

 

 

 

 

Meine große Tochter ist inzwischen wirklich groß, nur noch zwei Jahre von der Volljährigkeit entfernt und sie überragt mich deutlich. Ich merke, wie sie jetzt auf ihre Kindheit als in der Vergangenheit liegend zurückblickt, was bei mir allerdings noch nicht so ganz selbstverständlich ist (ein typisches Mutterverhalten vermutlich?).

Woran sich mir das auch zeigt, ist, daß sie nun all` die Dinge zu pflegen beginnt, die wir zu Kindergarten- und frühen Schulzeiten getan haben: Sie will den Herbst ins Haus holen (und hat mit ihrer jüngsten Schwester Blätter in Wachs getaucht), im raschelnden Laub spazieren gehen, Bratäpfel backen, die Wohnung herbstlich schmücken, Kastanien sammeln gehen…..

Ich finde das wunderschön, genieße es mit ihr und merke wieder einmal, daß das Pflegen der Jahreszeitenrituale, wie es z.B. in Waldorfkindergarten und -schule passiert, tatsächlich heilsam ist.

So habe ich mir an ihr ein Beispiel genommen und auf meine Art den Herbst gefeiert. Eine Freundin brachte mir aus dem Lied der Erde – Garten   (hier habe ich schon einmal darüber geschrieben) einige Walnußhüllen mit, die kurz darauf in meinen Färbetopf wanderten.

 

Hier seht ihr das Ergebnis kurz nach dem Färben:

Vorne: Puppenhaar-Garn aus Mohair-Seide

Hinten: Schurwolle

 

…..und im trockenen Zustand:

 

 

 

Diese warmen Walnußfarben begeistern mich immer wieder. Bisher habe ich nur getrocknete Schalen verwendet, die ich bestellt hatte, um meine Puppen zu färben. Aber mit den frischen funktionierte es auch ganz prima.

Das Puppenhaar habe ich auch schon einmal probeweise angelegt:

 

 

Aber für diese neue Puppe hatte ich schon ein Käppchen aus meiner mit Zwiebelschalen gefärbten Wolle gehäkelt:

 

 

Dieser zarte Farbton hat es mir nämlich auch sehr angetan und er paßt so gut sowohl zu dem weichen und feinen Mohair-Seide-Garn, als  auch zu diesem irgendwie elfenhaften Wollwesen.

 

Auch Wollbilder sind hier gerade am Entstehen und weitere Schmetterlings-Kinder….

 

 

 

 

 

Und Ihr?

Habt Ihr auch bestimmte Herbst-Rituale?

Und wenn ja, welche?

 

Ich wünsche Euch eine farbenfrohe Herbst-Woche,

Eure

Frau Wollwesen.

 

Verlinkt mit Creadienstag.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neues von Madleina und Rupert…

 

Eine ganze Weile ist es ja schon her, seit ich Euch von diesen beiden hier erzählt habe. Und seitdem will ich eigentlich immer wieder Neues von Ihnen berichten, aber vieles hat sich dazwischen gedrängt…bis heute! –

 

„Madleina!“ Rupert´s Stimme klingt heute ein bisschen nörgelig.

Eine ganze Stunde läuft er nun schon hinter dem Mädchen her, kreuz und quer, hoch und wieder hinunter. Sie „entdecken neue Wege“, so hat Madleina das genannt. Genauer gesagt, erkunden sie die Böschung hinter unserem Haus. Um diese Zeit im Jahr steht das Gras hoch wie ein Dschungel und die Brombeerranken breiten sich genüßlich in alle Richtungen aus.

„Autsch!“ Rupert ist prompt in einer der Ranken hängen geblieben und die kleinen spitzen Dornen pieksen ihn in die Brust. „Keinen Schritt gehe ich mehr weiter!“ schimpft er, während er sich heraus windet. „Wo willst Du denn überhaupt hin?“

Madleina dreht sich nach dem kleinen Fasan um, wickelt die Ranke von ihm ab und trägt ihn weiter. „Ich weiß es nicht. Eigentlich mag ich es einfach, an Orte zu kommen, die ich noch nicht kenne. Man kann so vieles sehen und entdecken dabei. Schau zum Beispiel hier: Da sind ja ganz viele kleine Himbeeren !“

Das Mädchen setzt Rupert wieder auf den Boden, um von den süßen Beeren pflücken zu könnnen. Rupert mag aber keine Himbeeren und wird sofort wieder quengelig. „Wir sind schon so weit weg von zuhause, wo eine wunderbare Schüssel mit Körnern steht und auf mich wartet. Ich will zurück!“

Madleina sieht ein, daß es für heute keinen Sinn macht, noch weiter zu gehen. Aber morgen will sie wieder los. Mit Rupert. Und sie hat auch schon eine Idee, wie…

 

 

Zuhause angekommen stöbert sie in meinem Handarbeitsschrank herum. Was hat sie nur vor?

Schließlich taucht sie mit einer Häkelnadel in der Hand wieder auf. Und jetzt macht sie sich auf die Suche nach Wolle, das ist klar….

Kurz darauf hat sie gefunden, was sie suchte. Mit konzentriertem Gesichtsausdruck und Nadel in der einen, Wolle in der anderen Hand, beginnt sie zu häkeln. Ich staune nicht wenig, als sie nach einer Weile mit einem fast fertigen Körbchen zu mir kommt.

 

 

Wir überlegen gemeinsam, wie sie am besten den Tragegurt anbringen kann, dann geht sie wieder an die Arbeit.

Rupert hat sich in der Zwischenzeit zu einem Schläfchen ins schattige Gartengebüsch zurückgezogen. Das Körnerschälchen ist geleert und sein voller Bauch braucht eine Ruhepause. So hat er von Madleinas´ Häkelei gar nichts mitbekommen, als er gegen Abend erholt und gut gelaunt zu uns ins Haus kommt.

„Ja sowas! Was ist das denn?“ Erstaunt steht er vor dem fertigen Umhängekörbchen.

„Für Dich,“ sagt Madleina. „Damit ich Dich das nächste Mal bequem tragen kann, wenn wir wieder gemeinsam losgehen.“

 

 

 

 

Das läßt Rupert sich nicht zweimal sagen: Ein schneller Flügelschlag und schon ist er mit Leichtigkeit in das Körbchen gehüpft. „Bitte trag´ mich, Madleina, bitte, jetzt gleich!“, ruft er heraus. Er hat es sich darin bereits gemütlich gemacht und seine Flügel weit ausgebreitet.

„Jetzt?“ frägt das Mädchen. „Sofort jetzt?“ „Ja, ja, ja!“ kräht Rupert.

 

 

 

 

Madleina hängt sich die Tasche samt Fasan um die Schulter. „Du bist nicht gerade leicht!“, beschwert sie sich grinsend. „Ich glaube, ich muß deine Körnerration verkleinern…!“ – Aber Rupert läßt  sich gerne necken, jetzt, da er so gemütlich in seinem neuen Körbchen sitzt. Er schaut unternehmungslustig in die Gegend, als sie sich zusammen auf den Weg machen, wenn auch nur für eine kurze Tour durch den Garten….

 

Madleina und Rupert sind mithilfe der Naßfilztechnik entstanden.

Sie machen sich heute auf zum Creadienstag.

 

Es grüßt fröhlich

Frau Wollwesen.